Bespannen mit Folie
Dieser Abschnitt hat mir etwas Bauchweh verursacht, da ich noch nie zuvor ein Flugmodell bespannt habe.
Grundsätzlich hat sich rasch herausgestellt, dass es gar nicht schwierig ist, aber eben etwas Übung erfordert. Darüber hinaus sollte man sich auch Gedanken machen, in welcher Reihenfolge man welche Teile bebügelt.
Was das Material und Werkzeug angeht, verwende ich original Oracover-Folie und ein Reisebügeleisen. Das hat meine Mutter mal irgendwo als Werbegeschenk bekommen und nie benötigt. Für diese Anwendung ist es jedoch nahezu perfekt. Allerdings wäre bei manchen Bereichen des öfteren ein noch kleineres Bügeleisen sehr praktisch gewesen. Würde ich öfters Modelle bebügeln, wäre ein Folienbügeleisen eine nähere Überlegung wert. Beim Bespannen der Tragfläche hat sich der Heißluftfön, den ich auch immer für die Schrumpfschläuche verwende als sehr hilfreich herausgestellt.
Sehr hilfreich ist die Beschreibung von Oracover und auch die Homepage von Christian Forrer.
Das schöne bei der ganzen Sache ist, dass man die Folie wieder abziehen und nochmal neu beginnen kann, wenns mal nicht so ganz geklappt hat.
Um ein Gefühl für das Material zu bekommen ist es ratsam mit kleinen Teilen ohne allzuviel komplizierten Kantenverläufen zu beginnen. Ich habe hierfür das Höhenleitwerk gewählt. Zuerst sollte man sich die Unterseite bzw. die nicht so gut sichtbaren Abschnitte des jeweiligen Bauteils vornehmen und dann in der Reihenfolge weitermachen so dass der am besten sichtbare Bauteil zuletzt drankommt.
Man schneidet die Folie etwas größer als die Bauteilabmessungen aus. Etwa 2cm Überstand reichen hierbei völlig. Weiters sollte man darauf achten, dass der zu bebügelnde Bauteil möglichst sauber und staubfrei ist.
Lediglich bei den Randbögen ist etwas mehr Überstand nötig, aber dazu später. Nachdem man die Schutzfolie abgezogen hat und die eigentliche Folie auf den Bauteil legt, wird die Folie mit niedrig temperierten Bügeleisen an wenigen Punkten auf dem Bauteil fixiert. Hierbei sollte man darauf achten, dass die Folie bereits möglichst gespannt ist, und wenig Falten wirft.

Hier sieht man recht gut, dass die Folie bereits mit wenigen Fixierungspunkten gut am Bauteil haftet.
Nun erhöht man die Temperatur am Bügeleisen leicht und bügelt diese entlang den Kanten des Bauteils fest. Für diesen Arbeitsschritt sollte die Temperatur des Bügeleisens nicht zu hoch eingestellt sein, da die Folie sonst Wellen macht und somit nicht plan aufliegt. Als nächstes wird die Folie in den Ecken und Rundungen eingeschnitten, so dass sich kleine Segmente bilden. So wirft die Folie hier keine Falten. Dann bügelt man um die Kanten herum, so daß die Folie wirklich rund um die eigentliche Fläche fixiert ist.
Erst jetzt kann man sich der eigentlichen Fläche widmen und diese glatt bügeln. Hier verträgt die Folie schon einiges an Temparatur. Im Falle des Reisebügeleisens, welches ich hierfür verwende ist selbst die höchste Temperatur noch immer in Ordnung.
Durch diesen Schritt spannt sich die Folie erst so richtig um den Bauteil und etwaige Falten oder Blasen werden gänzlich ausgeglichen.
Für die Oberseite des jeweiligen Bauteils geht man in selber Weise vor und lässt die Folie einfach überlappen. Obwohl man bei deckend farbiger Folie den Stoß kaum bemerkt ist trotzdem eine gerade Kante auch beim genaueren Hinsehen schöner. Daher sollte man - bevor man noch die Folie gänzlich festbügelt – den Überstand sauber mit einem scharfen Messer und einem Metall-Lineal wegschneiden.
Ich würde vorschlagen mit dem Höhenleitwerk zu beginnen. Das Seitenruder ist als nächster Schritt gut geeignet. Etwas fummelig fand ich das Höhenruder. Das Bespannen der Querruder und des Seitenleitwerks verlief problemlos.
Eine Herausforderung stellte für mich der Rumpf dar. Hier gibt es viele Ecken, Rundungen usw. was es wirklich schwierig gestaltet eine gute Reihenfolge zu finden. Der Deckel ist noch das einfachste. Lediglich auf den Verschluss sollte man aufpassen. Ich habe dann mit der Schnauze begonnen und dann mit der Rumpf-Unterseite weitergemacht. Dann die Seitenteile und zuletzt die Oberseite des Rumpf-Hinterteils.
Zuletzt habe ich noch die Fenster ausgeschnitten, da ich hier tranparente Folie einsetzen möchte. Die Löcher habe ich um etliches kleiner ausgeschnitten, so dass ausreichend Überstand übrig bleibt. Allerdings wäre hier zum Bebügeln ein echtes Folienbügeleisen mit möglichst kleiner Fläche sehr praktisch.
Der fertig bespannte Rumpf sieht dann schon fast “semi-scale” aus.
Warum Robbe vorschlägt, die Einschlagmutter erst jetzt an der Unterseite des kleinen Brettchens für die Tragflächenmontage einzukleben kann ich nicht nachvollziehen. Ich habe mit Hilfe einer Zwinge die Schlagmutter ins Holz gepresst. Trotzdem das schon relativ gut hält, habe ich dennoch die Einschlagmutter mit dickflüssigen Superkleber fixiert.
Ich würde dennoch empfehlen die Einschlagmutter bereits vor dem Einkleben des Brettchens in den Rumpf zu fixieren.
In der Tragflächenmitte muss noch das Loch mit einem 4mm-Bohrer erweitert werden. Sieht schon seltsam aus, wenn man die zierliche Tragfläche mit einer Bohrmaschine behandelt. Da die Rippe bereits eine entsprechende Ausnehmung an der Stelle der Bohrung vorgesehen hat, ist es kein Problem mit dem Bohrer gerade zu kommen.
Testhalber montiere ich die Tragfläche am Rumpf. Hierbei erweist sich die mitgelieferte Nylonschraube allerdings als zu kurz. Die Tragfläche würde dann lediglich auf ein oder zwei Gewindegängen hängen. Also hole ich mir vom Modellbauladen ein paar Nylonschrauben M4x30mm. Diese passen perfekt. Immerhin habe ich keine Lust die Tragfläche im Flug zu verlieren. Das würde dem Charterle wohl nicht so gut bekommen…
Die Bauanleitung schlägt zwar vor nun die Servos für Seite und Höhe in den Rumpf einzubauen, aber ich bin gerade so in Bespann-Laune (ausserdem habe ich grade das Material und Werkzeug dafür zur Hand).
Das restliche Leitwerk und die Ruder lassen sich relativ leicht bespannen, hier sollten kaum Fragen auftauchen. Auch hier gilt: will man die Oberseite schön haben, sollte man mit dem Bespannen der Unterseite beginnen.
Das schwierigste Teil habe ich mir für den Schluss aufgehoben. Die Tragfläche hat mir zugegebenermassen am meisten Sorgen bereitet. Ich habe mit dem Bespannen der Randbögen begonnen, obwohl dies eigentlich nicht notwendig gewesen wäre. Die Randbögen könnte man durchaus zusammen mit der Oberseite der Tragfläche bespannen.
Doch zuerst einmal der Reihe nach:
Die Servos müssen ja zum Zeitpunkt des Bespannens bereits in der Tragfläche sitzen. Ok, zuerst bemerke ich mal, dass der Kabelauslass im Servoschacht zu klein ist. Da passt der Servostecker nicht durch. Egal, lässt sich mit dem Skalpel leicht erweitern.
Die Servohebel, welche auf den Servos vormontiert waren finde ich sehr kurz. Glücklicherweise werden mit den Servos viele alternative Hebel mitgeliefert. Ich entschliesse mich für die doppel so lange Variante:

Rechts der (zu) kleine vormontierte Servohebel, links der bedeutend längere und meiner Meinung nach besser für das Charterle passt.
Die Servos werden mittels der 40cm-Verlängerungen an den Empfänger angesteckt und in Neutralstellung gebracht. Jetzt wird auf jedes Servo jeweils ein Hebel im rechten Winkel angebracht und festgeschraubt. Die Servos habe ich mit 2 Tropfen dickflüssigem Superkleber in die Schächte geklebt. Wunderbar wie exakt das Servo im Servoschacht sitzt!
So, nun zum Bespannen der Fläche: Wie bereits erwähnt, habe ich mit den Randbögen begonnen, würde jedoch empfehlen diese zusammen mit der Oberseite der Tragfläche zu bespannen.
Wie auch immer, ich würde beim Randbogen zwei zusätzliche Hände empfehlen. Mir hat meine bessere Hälfte geholfen. Für den Randbogen bzw. generell auch für den Rest der Fläche ist ein Heißluftföhn unumgänglich. Ich bin erstaunt über die Flexibilität der Bespannfolie. Man kann sie wie einen Schrumpfschlauch über nahezu beliebige Formen ziehen, ohne dass sie reisst oder Falten schlägt. Ich habe beim Randbogen die Folie mit dem Heißluftföhn vorsichtig und langsam erwärmt und dabei die Folie mit mäßiger Kraft über den Randbogen gespannt. Hier ist es wichtig mit niedriger Stufe zu beginnen und die Temperatur langsam zu erhöhen.
Wenn der Randbogen soweit abgedeckt ist, kann man den Überstand mit einem scharfen Messer entfernen.
Grundsätzlich empfehle ich jedoch mit der Unterseite der Tragfläche beginnen.
Ich habe jeweils eine Flächenunterhälfte bespannt. Einfach ein Stück Folie vorbereiten, das mehrere Zentimeter breiter ist als die Flächentiefe. 4-5cm vorne an der Nasenleiste und hinten an der Endfahne und im Bereich des Querruders reichen.
Die Folie wird wie bereits bei den anderen Teilen an wenigen Punkten mit niedriger Temperatur möglichst gespannt und faltenfrei fixiert. Hierbei sollte man beachten, dass der Überstand im Bereich der Nasenleiste so weit wie möglich parallel zu dieser verläuft. Der Servohebel schlägt natürlich Falten. Ich habe (sobald die Folie leicht fixiert wurde) ein Loch freischnitten, das groß genug ist, um den Servohebel herausschauen zu lassen.
Nun wird die Folie entlang der Nasenleiste festgebügelt und dasselbe macht man auch bei der Endfahne. Dann schneidet man den Überstand im Bereicht der Endfahne weg. Ebenso im Bereich der Flächenmitte und beim Randbogen.
Jetzt wird die Folie an den einzelnen Rippenunterseiten festgebügelt. Das funktioniert wunderbar und mit ein wenig höherer Temperatur spannt sich die Folie wie gewohnt und die fertige Flächenunterseite sieht wirklich schick aus.
Das Bespannen der Unterseite der zweite Flächenhälfte verläuft exakt gleich.
Der schwierigste Teil der Tragfläche ist die Oberseite. Hier ist es mir nicht wirklich gelungen die Folie gut gespannt zu halten und so habe ich hier leider einige leichte Blasen/Wellen in der Oberfläche.
Ich kämpfe gegen meine inneren Schweinehund namens Perfektion und gewinne das Duell. Ich denke nicht, dass diese leicht wellige Oberflächenstruktur dem Fliegerchen große Probleme bereitet und man sieht das ohnehin nur bei näherer Betrachtung, also was solls…








Ich finde den Baubericht sehr gut und gerade für Anfänger sehr ausführlich geschrieben. Das macht Lust aufs eigene Modell und nimmt so manchem Beginner bestimmt auch die Angst vor dem ersten richtigen Bausatz. Also mach ma weiter so, es liest sich schön.
Gruß Mirko
Super Baubericht! Eine tolle Info für alle die mit dem Gedanken spielen sich dieses Modell zu kaufen! Weiter so – ich bin schon gespannt auf den Erstflug! Gruß agexx
Echt hilfreich deine Seite. Der Baubericht ist eine wirklich sehr gute Ergänzung zur Bauanleitung von Robbe. Der Baubericht hat mir in manchen Situationen weitergeholfen wo die Bauanleitung von Robbe eher etwas ungenau ist und kleinere Rätsel aufgab.
Klasse Baubericht. Ich habe mir, nicht zuletzt wegen deinem tollen Bericht, Heute auch ein Charterle bestellt. Allerdings werde ich wohl auf RC – und Antriebskomponenten aus der Restekiste zurückgreifen.
ein sehr intelligent geschriebener Text